“Die Hochzeit der Chani Kaufman” von Eve Harris

Cha­ni Kauf­man ist hübsch, intel­li­gent und hat ihren eige­nen Kopf – nicht die bes­ten Vor­aus­set­zun­gen auf dem hart­um­kämpf­ten jüdisch-ortho­do­xen Hei­rats­markt. Schon gar nicht, wenn ihr zukünf­ti­ger Ehe­mann Baruch Levy sein soll. Baruch wird bald in Jeru­sa­lem stu­die­ren und der ers­te Rab­bi in einer Fami­lie erfolg­rei­cher Unter­neh­mer sein. Sie haben sich drei­mal gese­hen, sie haben sich noch nie berührt, aber sie wer­den hei­ra­ten. Cha­im Zil­ber­man und Rebec­ca Reu­ben waren auch ein­mal Stu­den­ten in Jeru­sa­lem. Heu­te sind sie Rab­bi und Reb­bet­zin Zil­ber­man, ange­se­he­ne Mit­glie­der der ortho­do­xen Gemein­de Lon­dons. Aus Lie­be hat­te Rebec­ca in das streng gere­gel­te Leben an der Sei­te eines Rab­bis ein­ge­wil­ligt – Snea­k­ers gegen Bal­le­ri­nas, Jeans gegen boden­lan­ge Röcke und den Wind in ihren lan­gen Haa­ren gegen einen Schei­tel getauscht. Vier Men­schen auf der Suche nach ihrem Weg, zwi­schen Reli­gi­on und ver­meint­li­cher Freiheit.

Ein Roman, der uns in die frem­de und fas­zi­nie­ren­de Welt des ortho­do­xen jüdi­schen Lebens entführt. 

Das Buch zeigt wie (reli­giö­se) Regeln, Riten und Tra­di­tio­nen in einer kom­ple­xen Welt Halt und Stüt­ze sein kön­nen. Es zeigt aber auch deut­lich, wie die stren­gen Regeln einer Gemein­schaft ihre Mit­glie­der ein­engen und in ihrer Ent­wick­lung behin­dern können. 

 Armin B., Sandhausen

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Kabarett: Helene Mierscheid

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Autoren LIVE: Marlene Bach

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Erzählabend mit Rafik Schami

Die 1. Vor­sit­zen­de des Freun­des­krei­ses der Biblio­thek, Chris­ti­ne Sie­vi, begrüß­te Rafik Scha­mi auf das herz­lichs­te und wies dar­auf hin, dass die­ser Abend ein High­light ist zum 20jährigen Jubi­lä­um des Vereins.

Rafik Scha­mi („Freund aus Damas­kus“ lt. Wiki­pe­dia-Über­set­zung), syri­scher Schrift­stel­ler, gebo­ren in Damas­kus und schon lan­ge in Deutsch­land lebend. Seit den 80er Jah­ren schreibt er sei­ne Roma­ne in deut­scher Spra­che. Sei­ne Roma­ne sind gefüllt vom Damas­ze­ner Leben. Akri­bi­sche Vor­be­rei­tun­gen und Recher­chen, sowie die Ver­wen­dung von alten und ein­zig­ar­ti­gen Büchern sei­ner alten Hei­mat, las­sen stets neue und fan­tas­ti­sche Geschich­ten ent­ste­hen. Nachts bringt er sei­ne Ideen zu Papier. Tags­über wäre er (nach eige­ner Aus­sa­ge) ein soli­der Haus­mann mit den übli­chen Auf­ga­ben und Familienmensch.
Erzäh­len ist seit sei­ner Jugend sei­ne Leidenschaft.
Ihm gelang es mit viel Esprit sei­ne Zuhö­rer in der Gemein­de­bi­blio­thek in den Bann zu zie­hen. Sei­ne Erzäh­lun­gen waren so plas­tisch als wür­de man mit­ten im Gesche­hen dabei sein. Das Publi­kum war fas­zi­niert und genoss die Erzähl­kunst in vol­len Zügen.
Der neu­es­te Roman von Rafik Scha­mi lau­tet „Wenn du erzählst, dann blüht die Wüs­te“. Dar­in ließ er die Anwe­sen­den teil­ha­ben am Leben einer ara­bi­schen Prin­zes­sin im 19. Jahr­hun­dert, die in Schwer­mut ver­fiel und durch einen Erzäh­ler wie­der nach und nach wie­der am Leben teilnahm.

Zum Schluss wur­de Herrn Scha­mi ein Prä­sent vom Freun­des­kreis über­reicht in Form eines Glücks­bäum­chens (von „Die Blu­me“ in Sand­hau­sen) und zwei­er­lei Honig aus Sand­hau­sen (Goe­thestras­se).

Hr. Schnei­der und Fr. Kum­mer (von Papier-Schnei­der) hat­ten einen gro­ßen Tisch auf­ge­baut mit ver­schie­de­nen Roma­nen des Erzäh­lers. Wer woll­te bekam die Bücher vom Autor signiert. Dies wur­de vom Publi­kum ger­ne in Anspruch genommen.
BiKö

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Spendenübergabe Beamer

Die Vor­le­se­stun­de am 19. März 2024 wur­de mit dem belieb­ten Bil­der­buch­ki­no gestal­tet. Zum Ein­satz kam ein neu ange­schaff­ter Bea­mer, der mit groß­zü­gi­ger Unter­stüt­zung der H+G Bank Stif­tung und den Freun­den der Gemein­de­bi­blio­thek Sand­hau­sen e. V. ange­schafft wer­den konn­te. Zur Spen­den­über­ga­be konn­te als Ver­tre­ter der Volks­bank Herr Gie­ser begrüßt werden.

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“Meine Mutter hätte es Krieg genannt” von Vera Politkowskaja

Am 7. Okto­ber 2006 wird die Jour­na­lis­tin Anna Polit­kows­ka­ja vor ihrer Woh­nung in Mos­kau ermor­det. Es ist das tra­gi­sche Ende einer jahr­zehn­te­lan­gen Ver­fol­gung durch den rus­si­schen Staats­ap­pa­rat. Auf einen Schlag wird Anna Polit­kows­ka­ja zur welt­wei­ten Sym­bol­fi­gur für den Kampf um Gerech­tig­keit und Mei­nungs­frei­heit. Bis heu­te gilt sie als eine der wich­tigs­ten Kri­ti­ke­rin­nen von Putins Russ­land. In die­sem Buch erzählt ihre Toch­ter erst­mals die gan­ze Geschich­te ihrer Mut­ter: per­sön­lich, bewe­gend und erschre­ckend aktuell.
Als Anna Polit­kows­ka­ja starb, war ihre Toch­ter Vera 26 Jah­re alt. Mit die­sem Buch setzt sie dem Ver­mächt­nis ihrer Mut­ter ein Denk­mal. Ein­drück­lich erzählt sie von ihrer Mut­ter als einem Vor­bild, als einer Frau, die sich nicht ein­schüch­tern ließ. Vera Polit­kows­ka­ja legt die Mecha­nis­men des rus­si­schen Macht­ap­pa­ra­tes. Indem sie einen Blick zurück auf den letz­ten gro­ßen Rus­si­schen Krieg in Tsche­tsche­ni­en wirft, ergrün­det sie auch den Krieg unse­rer Tage.
Die­ses Buch ist ein Plä­doy­er für die Kraft der Wahr­heit. Ein bewe­gen­des Por­trät und ein kämp­fe­ri­sches Manifest.
Vera Polit­kows­ka­ja erzählt die Geschich­te ihrer Fami­lie und beson­ders das Leben ihrer Mut­ter. Sehr ein­drucks­voll wird beschrie­ben, wie das Sys­tem Putin die Frei­heit der Men­schen und ganz beson­ders die Frei­heit der Pres­se unter­drückt. Es lässt erah­nen, wel­che Feh­ler west­li­che Regie­run­gen im Umgang Putin und sei­nen Vasal­len gemacht haben. Leicht und span­nend zu lesen. 
Armin. B., Sandhausen

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“Das späte Leben” von Bernhard Schlink

Mar­tin, sechs­und­sieb­zig, wird von einer ärzt­li­chen Dia­gno­se erschreckt: Ihm blei­ben nur noch weni­ge Mona­te. Sein Leben und sei­ne Lie­be gehö­ren sei­ner jun­gen Frau und sei­nem sechs­jäh­ri­gen Sohn. Was kann er noch für sie tun? Was kann er ihnen geben, was ihnen hin­ter­las­sen? Mar­tin möch­te alles rich­tig machen. Doch auch für das spä­te Leben gilt: Es steckt vol­ler Über­ra­schun­gen und Her­aus­for­de­run­gen, denen er sich stel­len muss.

Ein bril­lan­ter Roman, der zum Nach­den­ken anregt. Was wol­len, kön­nen oder sol­len wir unse­rer Nach­welt hin­ter­las­sen? Was war uns in unse­rem Leben wich­tig? Wie wird man uns in Erin­ne­rung behal­ten? Fra­gen, die uns beschäf­ti­gen könn­ten, wenn wir uns auf das The­ma Tod ein­las­sen wollen. 

Armin B. Sandhausen

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“Am Tisch sitzt ein Soldat” von Joachim B. Schmidt

Jón hat genug von sei­ner kom­pli­zier­ten Fami­lie, der Last der alten Tra­gö­di­en, dem islän­di­schen Land­le­ben. Er will weg und flüch­tet sich in ein Medi­zin­stu­di­um im fer­nen Ham­burg. Als sei­ne Mut­ter im Ster­ben liegt, kehrt er nach Island zurück, nur um fest­zu­stel­len, dass die Ver­gan­gen­heit dort auf ihn gewar­tet hat. Auf dem abge­schie­de­nen elter­li­chen Hof im Hin­ter­land der Mývatns­s­veit erste­hen die Geis­ter sei­ner Kind­heit vor ihm, und es kos­tet ihn allen Mut, sich ihnen end­lich zu stellen.

Ham­burg, 1967. Jón steckt mit­ten in den Stu­den­ten­un­ru­hen, als ihn eine Nach­richt aus der fer­nen Hei­mat Island aus der Bahn wirft: Sei­ne Mut­ter liegt im Ster­ben. Er bricht das Medi­zin­stu­di­um ab, lässt die Revo­lu­ti­on hin­ter sich und geht heim. Dort erwar­ten ihn nicht nur sei­ne Mut­ter, son­dern auch die her­ri­sche Tan­te Rosa und sein behin­der­ter Bru­der Pal­li. Die Rei­se ins Hin­ter­land der Mývatns­veit führt ihn unwei­ger­lich in sei­ne Ver­gan­gen­heit zurück. Bil­der einer tris­ten, vater­lo­sen Kind­heit holen ihn ein. Wie­so ist sein Vater 1942, als die gan­ze Welt kopf­stand, im Glet­scher­fluss ertrun­ken? War­um mach­te man ein Geheim­nis dar­aus, dass auf dem Bau­ern­hof Stein­holt Schnaps gebrannt wur­de? Und was hat es mit dem deut­schen Kriegs­flug­zeug auf sich, das auf dem Acker liegt und ver­ros­tet? Jóns Fra­gen beun­ru­hi­gen die kau­zi­gen Bewoh­ner der Mücken­see­ge­gend. Als er dann auch noch auf mensch­li­che Über­res­te stößt, wird ihm all­mäh­lich bewusst, dass sei­ne Fami­lie ein Geheim­nis hütet, das nicht gelüf­tet wer­den soll­te. Schon gar nicht von ihm.

Eine span­nen­de Fami­li­en­tra­gö­die mit Kri­mi­nal­ele­men­ten von cha­rak­ter­star­ken Men­schen, die zeigt, dass man von einer nicht auf­ge­ar­bei­te­ten Ver­gan­gen­heit nicht ein­fach davon­lau­fen kann. Abso­lut lesenswert.

C.F., Sand­hau­sen

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“Stella Maris” von Cormac McCarthy

Sech­zehn Jah­re nach sei­nem Welt­best­sel­ler Die Stra­ße kehrt Pulit­zer-Preis­trä­ger Cor­mac McCar­thy zurück mit sei­nem zwei­bän­di­gen Meis­ter­werk. Der Pas­sa­gier und Stel­la Maris: Zwei Roma­ne ohne Vor­bild. Die Wahr­heit des einen negiert die des anderen.
1972, Black River Falls, Wis­con­sin: Ali­cia Wes­tern, zwan­zig Jah­re alt, lässt sich mit vier­zig­tau­send Dol­lar in einer Plas­tik­tü­te und einem mani­fes­ten Todes­wunsch in die Psych­ia­trie ein­wei­sen. Die Dia­gno­se der genia­len jun­gen Mathe­ma­ti­ke­rin und vir­tuo­sen Vio­li­nis­tin: para­no­ide Schi­zo­phre­nie. Über ihren Bru­der Bob­by spricht sie nicht. Statt­des­sen denkt sie über Wahn­sinn nach, über das mensch­li­che Behar­ren auf einer gemein­sa­men Welt­erfah­rung, über ihre Kind­heit, in der ihre Groß­mutter um sie fürch­te­te – oder sie fürch­te­te? Ali­ci­as Den­ken kreist um die Schnitt­stel­len zwi­schen Phy­sik, Phi­lo­so­phie, Kunst, um das Wesen der Spra­che. Und sie ringt mit ihren selbst­ge­ru­fe­nen Geis­tern, gro­tes­ken Chi­mä­ren, die nur sie sehen und hören kann. Die Pro­to­kol­le der Gesprä­che mit ihrem Psych­ia­ter zei­gen ein Genie, das an der Unüber­wind­bar­keit der Erkennt­nis­gren­zen wahn­sin­nig wird, weder im Reich des Spi­ri­tu­el­len noch in einer unmög­li­chen Lie­be Erlö­sung fin­det und unse­re Vor­stel­lun­gen von Gott, Wahr­heit und Exis­tenz radi­kal infra­ge stellt.

Ein eher kam­mer­spiel­ar­ti­ges Set­ting, die Auf­zeich­nung von Gesprä­chen einer jun­gen Frau mit ihrem Psych­ia­ter. Wobei die jun­ge Frau deut­lich mehr die Kon­trol­le hat und mit sehr reflek­tier­ten und durch­dach­ten Ansich­ten über mehr oder weni­ger Alles fast eine eige­ne Meta­phy­sik ent­wi­ckelt. Das macht Spaß und regt zum Nach­den­ken an. Die äuße­re Hand­lung hat McCar­thy in den (deut­lich dicke­ren) Zwil­lings­ro­man aus­ge­la­gert. Lan­ge nicht so düs­ter wie McCar­thys Dys­to­pie „Die Stra­ße“ aber doch bedrohlicher.

Oli­ver S., Sandhausen

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“Kostbare Tage” von Kent Haruf

Es ist der letz­te Som­mer für Dad Lewis am Rand der Klein­stadt Holt – die er nie ver­ließ, im Gegen­satz zu sei­nen Kin­dern. Aber was wäre Holt ohne neue Geschich­ten? Die klei­ne Ali­ce zieht im Nach­bar­haus bei ihrer Groß­mutter ein, und der neue Rever­end Lyle hat nicht nur mit den eigen­wil­li­gen Anwoh­nern zu kämpfen.

Wie­der ist Haruf ein berüh­ren­des Bild vom Leben der Klein­stadt Holt gelun­gen. Wer die vor­an­ge­gan­ge­nen Bücher nicht gele­sen hat, fühlt sich den­noch schnell mit­ten­drin. Die­ses Mal über­wiegt die Melan­cho­lie. „Abend­rot“ war Harufs letz­ter Roman. Er ver­starb lei­der 2014.

B. K., Sandhausen

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