“Sag den Wölfen, ich bin zu Hause” von Carol Rifka Brunt

Manch­mal ver­lierst du einen Men­schen, um einen ande­ren zu gewin­nen.

Man­che Ver­lus­te wie­gen so schwer, dass sie nicht wie­der­gut­zu­ma­chen sind. So geht es June Elbus, als ihr Onkel Finn stirbt, der Mensch, mit dem sie sich blind ver­stand, der ihr alles bedeu­te­te. Doch mit ihrer Trau­er ist sie nicht allein. Schon bald nach der Beer­di­gung stellt June fest, dass sie sich die Erin­ne­rung an Finn tei­len muss – mit jeman­dem, der sie mit einer schmerz­haf­ten Wahr­heit kon­fron­tiert. Der sie aber auch lehrt, dass gegen die Bit­ter­nis­se des Lebens ein Kraut gewach­sen ist: Freund­schaft und Mit­ge­fühl.

Ein Buch über Gefüh­le: Ver­trau­en, Ver­let­zun­gen, Ent­täu­schun­gen, Eifer­sucht und Trau­er. Ver­wir­rend und manch­mal hart im Kon­trast, gleich­wohl ermu­ti­gend. Ein ein­dring­li­cher Ent­wick­lungs­ro­man.

B. K., Sand­hau­sen

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“Himmel und Hölle” von Alice Munro

In neun Geschich­ten, die vor­der­grün­dig all­täg­lich-harm­los wir­ken wie ein Kin­der­spiel, lässt Ali­ce Mun­ro rät­sel­vol­le Bezie­hun­gen und ver­dräng­te Schuld aufblit­zen. Sie erzählt von bestür­zend küh­nen Momen­ten des Aus­bre­chens aus dem eige­nen Leben: das ist der Stoff, aus dem ihre Erzäh­lun­gen sind.

Die Geschich­ten ent­füh­ren den Leser an jenen einzigar­tigen Ort, an dem eine uner­war­te­te Wen­dung den Bogen eines gan­zen Lebens zum Auf­leuch­ten brin­gen kann.

Sehr schön, jede ein­zel­ne Geschich­te. Und eine loh­nen­de Lese­er­fah­rung auch für Leser, die sich nor­ma­ler­wei­se nicht mit Kurz­ge­schich­ten beschäf­ti­gen. Sie packen schon nach weni­gen Zei­len. Dabei bewun­de­re ich an den Geschich­ten vor allem, dass sie ver­schie­de­ne Per­so­nen durchs Bild lau­fen lässt, bei denen sie es schafft, mit weni­gen Sät­zen das gan­ze (rele­van­te) Leben und den wah­ren Cha­rak­ter zu beschrei­ben. Viel­leicht ist am Leben aber auch ein­fach nicht mehr rele­vant? Qua­si ein Anspiel­tipp ist die Geschich­te „Trost“.

Oli­ver S., Sand­hau­sen

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“Die rechtschaffenen Mörder” von Ingo Schulze

Nomi­niert für den Preis der Leip­zi­ger Buch­mes­se 2020

Wie wird ein auf­rech­ter Bücher­mensch zum Reak­tio­när – oder zum Revo­luz­zer? Eine auf­wüh­len­de Geschich­te über uns alle.
Nor­bert Pau­li­ni ist ein hoch geach­te­ter Dresd­ner Anti­quar, bei ihm fin­den Bücher­lieb­ha­ber Schät­ze und Gleich­ge­sinn­te. Über vier­zig Jah­re lang durch­lebt er Höhen und Tie­fen. Auch als sich die Zei­ten ändern, die Kun­den aus­blei­ben und das Inter­net ihm Kon­kur­renz macht, ver­sucht er, sei­ne Posi­ti­on zu behaup­ten. Doch plötz­lich steht ein auf­brau­sen­der, unver­söhn­li­cher Mensch vor uns, der beschul­digt wird, an frem­den­feind­li­chen Aus­schrei­tun­gen betei­ligt zu sein. Die Geschich­te nimmt eine vir­tuo­se Vol­te: Ist Pau­li­ni eine tra­gi­sche Figur oder ein Mör­der?
Auf ful­mi­nan­te Wei­se erzählt Ingo Schul­ze von unse­rem Land in die­sen Tagen und zieht uns den Boden der Gewiss­hei­ten unter den Füßen weg.

Der pas­sio­nier­te Anti­quar und Bücher­lieb­ha­ber geht ganz in sei­nem Beruf auf. Schon in jun­gen Jah­ren gab es für ihn nur die Welt der Bücher. Durch die Wen­de und der angeb­li­chen ver­hei­ßungs­vol­len Annä­he­rung von Ost­deutsch­land und Welt­deutsch­land wird er aus sei­ner beruf­li­chen und exis­ten­ti­el­len Bahn gewor­fen. Der in sich ruhen­de, aus­ge­gli­che­ne Mensch wird unver­söhn­lich und frem­den­feind­lich. Ingo Schul­ze gelingt es her­vor­ra­gend die Befind­lich­kei­ten sei­ner Prot­ago­nis­ten zu schil­dern und her­aus­zu­ar­bei­ten. Ein lesens­wer­tes Buch.

E. L., Sand­hau­sen

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Bücher-Lieferdienst

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“Wie Demokratien sterben” von Steven Levitsky und Daniel Ziblatt

Aus­ge­zeich­net mit dem NDR Kul­tur Sach­buch­preis 2018 als bes­tes Sach­buch des Jah­res.

Demo­kra­tien ster­ben mit einem Knall oder mit einem Wim­mern. Der Knall, also das oft gewalt­sa­me Ende einer Demo­kra­tie durch einen Putsch, einen Krieg oder eine Revo­lu­ti­on, ist spek­ta­ku­lä­rer. Doch das Dahin­sie­chen einer Demo­kra­tie, das Ster­ben mit einem Wim­mern, ist all­täg­li­cher – und gefähr­li­cher, weil die Bür­ger meist erst auf­wa­chen, wenn es zu spät ist. Mit Blick auf die USA, Latein­ame­ri­ka und Euro­pa zei­gen die bei­den Poli­to­lo­gen Ste­ven Levits­ky und Dani­el Ziblatt, wor­an wir erken­nen, dass demo­kra­ti­sche Insti­tu­tio­nen und Pro­zes­se aus­ge­höhlt wer­den. Und sie sagen, an wel­chen Punk­ten wir ein­grei­fen kön­nen, um die­se Ent­wick­lung zu stop­pen. Denn mit geziel­ter Gegen­wehr lässt sich die Demo­kra­tie ret­ten – auch vom Ster­be­bett.

Demo­kra­tien las­sen sich nur durch Demo­kra­ten schüt­zen. Und wir sehen, sie brau­chen Schutz. Nicht alles was „demo­kra­tisch gewählt“ ist, ist dadurch auch schon „demo­kra­tisch“. Und wir sehen, vie­le Nicht­de­mo­kra­ten sind in den letz­ten Jah­ren in ver­schie­de­nen Län­dern ange­tre­ten, die Demo­kra­tie zu besei­ti­gen. War­um Demo­kra­tien von innen ver­wund­bar sind und wel­che Mit­tel ihre Fein­de anwen­den (kön­nen), wird in die­sem in den letz­ten Jah­ren viel­zi­tier­ten Buch gut her­aus­ge­ar­bei­tet. Lesens­wert

Oli­ver S., Sand­hau­sen

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“Über Nationalismus” von George Orwell

»Patrio­tis­mus ist von Natur aus defen­siv, mili­tä­risch wie kul­tu­rell. Der Natio­nalismus hin­ge­gen ist untrenn­bar mit dem Stre­ben nach Macht ver­bun­den.« Geor­ge Orwell

Wor­in unter­schei­den sich Patrio­tis­mus und Natio­na­lis­mus? Und was kenn­zeichnet natio­na­lis­ti­sches Den­ken? Die­ser 1945 ver­fass­te Essay erscheint erst­mals auf Deutsch und zeigt Geor­ge Orwell als Ideo­lo­gie­kri­ti­ker. Inwie­weit er außer­dem zum Ver­ständ­nis der­zei­ti­ger kul­tur­kämp­fe­ri­scher Auseinandersetzun­gen bei­trägt, erläu­tert das Nach­wort von Armin Nas­sehi.

»Die Lie­be vom Men­schen auf die Nati­on umzu­len­ken, ist ein übler Trick. Or­well hat das früh durch­schaut.« Micha­el Köhl­mei­er

Orwell ver­wen­det den Begriff der Nati­on dabei mög­lichst weit und bezieht auch Reli­gio­nen, Herr­schafts­for­men und ande­re sinn­stif­ten­de Ein­hei­ten ein. Damit kann er alle For­men von Extre­mis­men betrach­ten und deren Ver­halten vor­her­sa­gen. Und ob es nun Isla­mis­ten, Ame­ri­ca First-Anhän­ger oder Neue Rech­te sind, sie alle zei­gen die Eigen­schaf­ten (Obses­si­vi­tät, Insta­bi­li­tät, Gleich­gül­tig­keit gegen­über Fak­ten), die Orwell schon 1945 im entstehen­den Block­den­ken sowie im zer­fal­len­den bri­ti­schen Empi­re gese­hen hat.

Anek­do­tisch gera­de­zu hell­sich­tig scheinen mir die aus­führ­li­chen Betrach­tun­gen der „Gleich­gül­tig­keit gegen­über Fak­ten“ zu sein, die in unse­rer Zeit durch „alter­na­ti­ven Fak­ten“ und „Fake News“ zum bestim­men­den Merk­mal gewor­den sind. Dumm nur, dass Orwell schon 1945 beschrie­ben und gese­hen hat, wie sich Natio­na­lis­mus aus­prägt und dass wir bis heu­te kei­ner­lei “Medi­zin” dage­gen gefun­den haben.

Oliver S., Sand­hau­sen

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“Watchmen” von Alan Moore und Dave Gibbons

Watch­men zählt zu den bedeu­tends­ten Wer­ken in der Comic­kunst und hat alle Comic­schaf­fen­den nach­hal­tig beein­flusst. Schöp­fer Alan Moo­re heims­te mit dem Epos sämt­li­che Prei­se der Comic­bran­che ein und erlang­te als Autor abso­lu­ten Kult­sta­tus. Nach lan­gem Tau­zie­hen um die Rech­te wird Watch­men nun 2009 unter der Regie von Zack Sny­der, der bereits Frank Mil­lers 300 zu einem unver­gess­li­chen, cine­as­ti­schen Ereig­nis wer­den ließ, in den Kinos star­ten.

Zwar auch ein Super­hel­den­co­mic, aber doch auch viel mehr. Eine Geschich­te von epi­scher Brei­te und viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re. Das Buch steht gewöhn­li­chen Roma­nen in nichts nach und stellt einen guten Ein­stieg für anspruchs­vol­le Comic-Aus­pro­bie­rer dar.

Oli­ver S., Sand­hau­sen

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Zur Erinnerung an die Bücherverbrennungen am 10. Mai 1933

Gegen Deka­denz und mora­li­schen Zer­fall!

Eine sol­che Über­schrift könn­te man sich auch heu­te vor­stel­len. Fast. Tat­säch­lich aber begann mit die­sen Wor­ten einer der soge­nann­ten Feu­er­sprü­che, mit denen am 10. Mai 1933 in vie­len Uni­ver­si­täts­städ­ten in Deutsch­land Bücher „undeut­scher“ Autoren dem Feu­er über­ge­ben wur­den. Der zitier­te Spruch, von zen­tra­ler Stel­le vor­for­mu­liert, lau­te­te voll­stän­dig so:

„Gegen Deka­denz und mora­li­schen Zer­fall! Für Zucht und Sit­te in Fami­lie und Staat!
Ich über­ge­be der Flam­me die Schrif­ten von Hein­rich Mann, Ernst Gla­e­ser und Erich Käs­t­ner.“

Das geschah dann auch unter gro­ßem Gejoh­le. Zufäl­lig befand sich Erich Käs­t­ner in Ber­lin unter den Zuschau­ern, wur­de sogar erkannt und laut­hals ange­spro­chen, aber es pas­sier­te ihm – noch — nichts.

Ideo­lo­gisch vor­be­rei­tet wur­den die Bücher­ver­bren­nun­gen durch die am 12. April 1933 ver­öf­fent­lich­ten 12 The­sen gegen den undeut­schen Geist. For­mu­liert, zumin­dest aber ver­ant­wort­lich gezeich­net hat­te sie der dama­li­ge Spre­cher der Stu­den­ten­schaft, ein gewis­ser Paul Karl Schmitt. Der wur­de spä­ter Hit­lers Pres­se­chef und nach dem Krieg unter dem Pseud­onym Paul Carell ein Best­sel­ler­au­tor!

Die meis­ten Bücher der als undeutsch gebrand­mark­ten Autoren, die auf der soge­nann­ten „Schwar­zen Lis­te“ stan­den, wur­den aus öffent­li­chen Biblio­the­ken, aus Insti­tuts­bi­blio­the­ken, aus Buch­hand­lun­gen und sogar aus pri­va­ten Samm­lun­gen ent­fernt. Vie­le Biblio­the­ken und man­che Buch­hand­lun­gen mach­ten freu­dig mit, obwohl letz­te­re kei­ne Ver­gü­tung für die aus­ge­son­der­ten Bücher erhiel­ten.

Die schon stramm aus­ge­rich­te­te Pres­se trom­mel­te mit gro­ßem pro­pa­gan­dis­ti­schem Auf­wand für die Aktio­nen. In der Nacht des 10. Mai berich­te­te der Rund­funk in Son­der­sen­dun­gen von den Schei­ter­hau­fen aus dem gesam­ten Reichs­ge­biet. In Ber­lin hielt der pro­mo­vier­te Ger­ma­nist! und NSDAP Gau­lei­ter Joseph Goe­b­bels um Mit­ter­nacht eine Hetz­re­de mit der For­mel, die die schon gleich­ge­schal­te­te Pres­se meist wört­lich über­nahm: Das Zeit­al­ter eines über­spitz­ten jüdi­schen Intel­lek­tua­lis­mus ist nun zu Ende.“ Wel­chen Ader­lass Wis­sen­schaft, Kunst und Kul­tur in Deutsch­land damit erlitt, wird heu­te noch schmerz­lich bewusst.

Auch in Hei­del­berg brann­ten Bücher. Aller­dings zu ande­ren Tagen. Am 17. Mai wur­den auf dem Uni-Platz Bücher ver­brannt, aber der Bücher­sta­pel war wohl zu klein. Am 17. Juni brann­te der Holz­stoß nicht, weil es in Strö­men reg­ne­te. Also ver­schob man die Akti­on auf den 17. Juli. Heu­te erin­nert am Uni­ver­si­täts­platz eine Gedenk­ta­fel mit einem Les­sing-Zitat an die Ereig­nis­se: “Was ein­mal gedruckt ist, gehört der gan­zen Welt. Nie­mand hat das Recht, es zu ver­til­gen.”

Und noch ein Zitat:

„Das war ein Vor­spiel nur! Dort wo man Bücher ver­brennt, ver­brennt man auch am Ende Men­schen.“ Das schrieb 1821 Hein­rich Hei­ne in dem Stück ALMANSOR. 120 Jah­re spä­ter führ­te ein direk­ter Weg von den Bücher­ver­bren­nun­gen 1933 zu den Öfen von Ausch­witz und Buchen­wald.

Lud­wig K. Sand­hau­sen

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Bücher Lieferservice

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“Blinde Rache” von Leo Born

Tat­toos, schwar­ze Klei­dung, raue Scha­le: Mara Bil­lin­sky eckt an. Auch bei ihren neu­en Kol­le­gen in der Frank­fur­ter Mord­kom­mis­si­on, von denen sie nur “die Krä­he” genannt wird. Nie­mand traut Mara den Job wirk­lich zu, schon gar nicht ihr Chef, der sie lie­ber auf Woh­nungs­ein­brü­che ansetzt. Aber dann erschüt­tert eine bru­ta­le Mord­se­rie die Main­me­tro­po­le. Mara sieht ihre Chan­ce gekom­men. Sie will bewei­sen, was in ihr steckt. Auf eige­ne Faust beginnt sie zu ermit­teln — und kommt dem Täter dabei töd­lich nah …

Abgrün­dig, viel­schich­tig und unglaub­lich span­nend. Die “Krä­he” Mara Bil­lin­sky in ihrem ers­ten Fall!

Ein packen­der Kri­mi mit einer außer­ge­wöhn­li­chen Ermitt­le­rin. Konn­te das Buch kaum aus der Hand legen. Jetzt freue ich mich schon auf die nächs­ten Fol­gen.

Armin B., Sand­hau­sen

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