“Das Lied des Propheten” von Paul Lynch

An einem dunk­len, regen­nas­sen Abend in Dub­lin öff­net die Wis­sen­schaft­le­rin und vier­fa­che Mut­ter Eilish Stack ihre Haus­tür und steht zwei Beam­ten der neu gegrün­de­ten iri­schen Geheim­po­li­zei gegen­über. Sie sind gekom­men, um ihren Mann Lar­ry, einen bekann­ten Gewerk­schaf­ter, zu ver­hö­ren. Kurz nach die­ser Begeg­nung mit der Poli­zei ver­schwin­det Lar­ry, und sehr schnell begin­nen die Din­ge in Eilishs Welt aus dem Ruder zu laufen.
Irland befin­det sich in der Gewalt einer Regie­rung, die auf dem Weg in die Tyran­nei ist. Eilish fin­det sich in der alp­traum­haf­ten Logik einer kol­la­bie­ren­den Gesell­schaft wie­der, ange­grif­fen von unsicht­ba­ren Kräf­ten, die sich ihrer Kon­trol­le ent­zie­hen. Sie ist gezwun­gen, alles zu tun, um ihre Fami­lie zu schüt­zen und alle zusam­men­zu­hal­ten. Wie soll sie ihren Kin­dern erklä­ren, was pas­siert ist, wenn sie nach dem Vater fra­gen? Wie wird ihr eige­ner zuneh­mend demen­ter Vater auf die gra­vie­ren­den Ver­än­de­run­gen sei­nes All­tags reagie­ren? Und wie weit wird Eilish selbst gehen, um sich und ihre Fami­lie zu retten.

Bedrü­ckend. In einem Irland in der nahen Zukunft. Eine auto­ri­tä­re Macht über­nimmt und beginnt mit dem Umbau der Demo­kra­tie. Zuerst wer­den Gewerk­schafts­ak­ti­vi­tä­ten erschwert und an dem Bei­spiel dann die Besei­ti­gung des Rechts durch­de­kli­niert. Der Leser beglei­tet Eilish durch die­sen Zer­fall des Rechts­staats und wie sie wei­ter ver­sucht, sich dar­in zurecht­zu­fin­den, wie ihre Fami­lie in der Zer­stö­rung zer­fällt und ver­schwin­det und wie sie letzt­lich ver­zwei­felt zu flie­hen ver­sucht. Ohne Abstand, häu­fig in einem an Joy­ce erin­nern­den Gedan­ken­strom lei­den wir mit. Das könn­te über­all sein und war schon an vie­len Orten so

Oli­ver S., Sandhausen

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