“Mein Leben mit Martha” von Martina Bergmann

Mar­ti­na küm­mert sich um Mar­tha. Mar­tha ist Mit­te acht­zig und in einer »poe­ti­schen Ver­fas­sung«. So nann­te das Hein­rich, der Mann, mit dem Mar­tha fast vier­zig Jah­re lang zusam­men­leb­te. Aber jetzt ist Hein­rich tot, und Mar­ti­na beschließt, sich der alten Dame anzu­neh­men, ohne mit ihr ver­wandt zu sein oder sie auch nur gut zu ken­nen. Oder ist es viel­mehr Mar­tha, die sich Mar­ti­na aus­ge­sucht hat? So genau ist das nicht mehr aus­zu­ma­chen, aber es ist auch nicht wich­tig, weil sie näm­lich bei­de glück­lich sind, so wie es ist. Mar­ti­na Berg­mann tritt in ihrem eben­so kla­ren wie empa­thi­schen Bericht den Gegen­be­weis dafür an, dass die Betreu­ung eines demen­ten Men­schen eine Bür­de sein muss. Sie schil­dert, wie es sich anfühlt, mit jeman­dem zusam­men­zu­le­ben, der trotz sei­ner Ein­schrän­kun­gen klug und humor­voll, ja gera­de­zu hell­sich­tig ist. Ein glän­zend geschrie­be­nes Plä­doy­er für das wür­de­vol­le Zusam­men­le­ben der Gene­ra­tio­nen. Und ein bewe­gen­des Por­trait zwei­er unkon­ven­tio­nel­ler Frauen.

Es ist berüh­rend zu lesen, wie selbst­ver­ständ­lich sich Mar­ti­na um Mar­tha küm­mert, ohne mit ihr fami­li­är ver­bun­den zu sein. Wie tole­rant sie mit dem ‘poe­ti­schen Zustand’ ihres Schütz­lings umgeht und sich dadurch der Witz der Situa­ti­on oder Bemer­kung oft­mals erst ent­fal­ten kann. Das Buch wird in der Kate­go­rie ‘Roman’ geführt, doch beschreibt Mar­ti­na Berg­mann ihr tat­säch­li­ches Leben mit Mar­tha. Bewundernswert.

B. K., Sandhausen

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