“Tante Martl” von Ursula März

Tan­te Martl ist schein­bar unschein­bar, in Wahr­heit aber ganz beson­ders. Der Leser spürt es gleich an der Art, wie sie ihre Tele­fon­an­ru­fe eröff­net: mit einem Stöh­nen, dem ein uner­war­te­ter Satz folgt. Gebo­ren als drit­te Toch­ter eines Vaters, der nur Söh­ne woll­te, ist Martl die unge­lieb­te Jüngs­te, die kei­nen Mann fin­det, dafür aber einen Beruf als Volks­schul­leh­re­rin. Nie ver­lässt sie die west­pfäl­zi­sche Klein­stadt, in der sie gebo­ren wur­de, ja nicht ein­mal ihr Eltern­haus. Und obwohl sie ihren Vater jah­re­lang pflegt, wäh­rend ihre Schwes­tern Fami­li­en grün­den, bewahrt sie ihre Selbst­stän­dig­keit. Wie Tan­te Martl das schafft und in hohem Alter noch einen gro­ßen Fern­seh­auf­tritt bekommt, erzählt Ursu­la März mit stau­nen­der Empa­thie und wider­stän­di­gem Humor.

Tan­te Martl hat das Herz auf dem rech­ten Fleck, ist reso­lut und nimmt kein Blatt vor ihren Mund. Doch das ist nur die eine Sei­te. Ursu­la März hat ihre Fami­li­en­ge­schich­te auf­ge­schrie­ben und sich dabei auch die Rol­le der Frau in der Nach­kriegs­ge­sell­schaft vor­ge­nom­men. Humor­voll, rüh­rend und auch ein klei­nes biss­chen traurig.

B. K., Sandhausen

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